Das Schweigen der Alten...


" Ein alte Dame, Mitte 70, sitzend vor mir im Rollstuhl. Gezeichnet durch einen Schlaganfall, halbseitig gelähmt mit rot unterlaufenen Augen. Ich spreche sie auf ihre Augenringe an und es bricht aus ihr heraus. Weinend berichtet sie mir, dass sie nicht mehr schlafen könne. Geräusche würden sie so stark belasten, dass sie häufig die Hörgeräte ausstellen müsse und die blöden "Mackentabletten" würden auch nicht helfen. Sie fühle sich häufig antriebslos und könne sich an nichts mehr erfreuen. Hätte solche Phasen aber schon häufiger gehabt, die gehen auch wieder vorbei. Sie erzählte davon, dass sie zeitlebens eine fleißige und engagierte Frau gewesen sei. Ihr Leben war einzigartig, bis vor 12 Jahren als der Schlaganfall kam. Von einem Tag auf den anderen veränderte sich alles. Auch Ihr Mann wirkte an diesem Tag anders. Die herzliche und freundliche Art die er sonst an den Tag legte, wurde von Unsicherheit und Rückzug überschattet. Er wusste mit dem Verhalten seiner Frau nicht umzugehen. Die Frage ob sie mit ihrem Mann über ihr Befinden sprechen könne, verneinte sie. Ebenso wäre es undenkbar für sie eine Psychotherapie in Anspruch zu nehmen. Ihre letzten Worte waren „Ich beiße einfach die Zähne zusammen."

 

"Die Zähne zusammen beißen, aushalten, nicht wahr haben wollen, sich bloß nichts anmerken lassen."


Etwa 1/4 der über 65 jährigen älteren Menschen leiden unter psychischen Symptomen. Da wir aber generationsbezogen immer noch von einem Tabuthema sprechen, werden diese nur selten geäußert und somit auch nicht behandelt. Vermutlich ist die Angst als verrückt abgestempelt zu werden größer als jeglicher Wunsch nach mehr Lebensqualität. Gerade im Alter häufen sich ungünstige Faktoren die die Entstehung von  psychischen Störungen begünstigen können. Verluste naheliegender Angehöriger oder Freunde, Erkrankungen, Berufsaustritt. Die Konfrontation, nicht mehr Handeln und Denken zu können wie man gerne möchte, schwere Schicksalsschläge.
Aufgrund des erreichen eines höheren Lebensalters, sind Frauen häufiger betroffen als Männer. Häufig versteckt sich seelisches Leiden hinter körperlichen Symptomen.

Die Feststellung psychischer Störungen im Alter ist nicht immer ganz leicht. Dies könnte auch einer der Gründe sein warum nicht alle Erkrankungen erkannt werden. Im Alter verschlechtern sich im Allgemeinen die physischen und kognitiven Leistungen, was die Abgrenzung Erkrankung oder normale Alterserscheinung erschwert. Ebenso leiden ältere Menschen häufiger an Mehrfacherkrankungen welche nicht nur psychische Begleitsymptome hervorrufen können, sondern auch die Möglichkeit einer Verstärkung der Symptomatik beinhalten. Ein weiterer wichtiger Aspekt wären Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen durch die Einnahme verschiedener Medikamente. Hier können beispielsweise Verwirrtheitszustände hervorgerufen werden.

 
Altersdepressionen (oft kombiniert mit Ängsten) und Demenzen sind die häufigsten psychischen Erkrankungen im Alter. Weiterhin Medikamenten / Alkoholabusus, Anpassungsstörungen,Delir, PTBS und die bipolare Erkrankung. Die Erstmanifestation einer Schizophrenie im Alter, ist eher selten. Im Folgenden möchte ich etwas genauer auf Altersdepressionen und Demenzen eingehen.
Altersdepressionen charakterisieren Symptome wie: Niedergeschlagenheit, verminderter Antrieb, Freudlosigkeit, Interessenverlust, Appetitlosigkeit, Schlafstörungen, sozialer Rückzug, Suizidgedanken. Der ältere  Mensch der an einer Depression leidet klagt aber in erster Linie über kognitive Einschränkungen und psychosomatische Symptome z. B. Kopfschmerzen, Schwindel, Rückenschmerzen ...
Die Abgrenzung  Altersdepression vs. Demenz gestaltet sich häufig schwierig. Im Allgemeinen klagen depressive jedoch häufiger über ihre kognitiven Einschränkungen, Demenzkranke überspielen diese eher. Angsterkrankungen treten häufig im Zusammenhang mit Depressionen auf. Der ältere Mensch fühlt sich in seiner Angst gefangen, kann die Symptome jedoch nicht einordnen und zieht sich zurück.


Abbau der kognitiven Fähigkeiten, Desorientierung, Ruhelosigkeit, depressive Verstimmtheit, Persönlichkeitsveränderung, Störung des Antriebs, Stimmungsschwankungen, Aphasie, Apraxie, Ataxie, Personenverkennung sind  u. a. charakteristische Anzeichen einer Demenz. Man unterscheidet primär (ohne zugrunde liegende Erkrankung) von sekundär Demenzen (als Folgeerscheinung). Die häufigste Demenz-form ist die Alzheimer Demenz, gefolgt von der vaskulären Demenz und den Mischformen. Weitere Erscheinungen wären u.a. Demenz bei Lewy - Körperchen, Morbus Pick, Demenz bei Parkinson, Chorea Huntington, Multiple Sklerose, Creutzfeldt - Jakob. Allen gemeinsam ist ein progredienter Verlauf. Eine Depression findet man häufig als Vorläufer einer Demenz.

Im psychotherapeutischen Vorgehen ist es wichtig ist, dass der ältere Patient nicht überfordert wird. Der Therapeut sollte akzeptieren können, das manche Dinge nicht mehr veränderbar sind. Dinge die schon immer so waren, bleiben auch so. Das Besprechen von Alltagsproblemen, Ressourcen- und Angehörigenarbeit könnten mögliche Themen einer Therapie sein. Weiterhin empfehlen sich Selbsthilfegruppen.

Kommentar schreiben

Kommentare: 7
  • #1

    Dacia Renninger (Freitag, 03 Februar 2017 13:08)


    Hi there to every , since I am actually keen of reading this blog's post to be updated daily. It consists of nice information.

  • #2

    Willette Lemaster (Samstag, 04 Februar 2017 20:00)


    I read this paragraph fully concerning the comparison of hottest and previous technologies, it's awesome article.

  • #3

    Felix Sampson (Samstag, 04 Februar 2017 22:11)


    Thank you for the good writeup. It in fact was a amusement account it. Look advanced to more added agreeable from you! However, how can we communicate?

  • #4

    Kisha Schwein (Sonntag, 05 Februar 2017 18:20)


    Hello, i think that i saw you visited my website so i came to �return the favor�.I'm trying to find things to enhance my site!I suppose its ok to use a few of your ideas!!

  • #5

    Ashlyn Sipe (Donnerstag, 09 Februar 2017 13:05)


    Hello i am kavin, its my first occasion to commenting anywhere, when i read this article i thought i could also create comment due to this good paragraph.

  • #6

    Callie Hon (Freitag, 10 Februar 2017 03:27)


    It's remarkable designed for me to have a web site, which is useful designed for my experience. thanks admin

  • #7

    Eulalia Otwell (Freitag, 10 Februar 2017 03:46)


    My spouse and I stumbled over here coming from a different page and thought I might as well check things out. I like what I see so now i'm following you. Look forward to going over your web page repeatedly.

Sichtweise - Praxis für Psychotherapie (HeilprG), Elternberatung & Paartherapie

 

Marga Bielesch

Obere Schlossgasse 1 

99423 Weimar

Festnetz: 03643 / 4480544   Handy: 0163 / 5112502

kontakt@sichtweise-weimar.de

 

Termine nach Vereinbarung